Lokale Sichtbarkeit, globale Zusammenhänge. Ein Blick auf Zack Polanski von den UK Greens.

Neben erkennbar nicht funktionierenden Formaten –  von„What’s in my bag“-Videos mittelalter Politiker über Hashtags auf gedruckten Plakaten – und Kampagnen, die durch Schlagworte wie „Haltung“, „Freiheit“ und „Sicherheit“ auf erfolgreiche Assoziierung hoffen, tat sich Zack Polanski von den UK Greens mit Videocontent hervor, der tatsächlich Aufmerksamkeit generierte. Konkret lassen sich vier Aspekte identifizieren, die seine Beiträge auszeichnen und sie von denen vieler anderer Politiker*innen unterscheiden.

Echte Diagnosen. In seinen Beiträgen werden gezielt aktuelle Herausforderungen angesprochen. Von verschmutzten Flüssen, über zu hohe Mieten bis zu den negativen Einflüssen von big corporations. Damit beginnen die Videos bei einer grundlegenden Problemanalyse, anstatt sich auf eine bestehende Parteiidentität zu verlassen, die damit die Themen automatisch vorgibt. Die Videos lassen Wähler*innen nicht mit diffusen Wahrnehmungen über Missstände alleine, deren Ursache sie selbst eruieren dürfen, sondern übernehmen gezielt diese Analyse. Die Beiträge sind gedreht an den Orten, an denen mit Problemen gekämpft wird (z.B. kleine Bäckereien) oder die zum Synonym für Herausforderungen wurden (z.B. Strände mit ankommenden Booten). Dadurch unterstützen die Bilder die Sprachebene und verstärken die Kommunikation der Diagnosen.

Verknüpfung von Lokalem mit Globalem. Vom Besuch von Essensausgabestellen für Bedürftige zur Notwendigkeit fairer Steuersysteme – Polanskis Videos stellen Zusammenhänge her, beschreiben Kausalitäten, und interpretieren die Auswirkungen weltweiter Entwicklungen für den lokalen Kontext. Im Gegensatz zu den Narrativen, die rechtspopulistische Parteien verbreiten, sind lokale Communities in seiner Erzählung jedoch nicht nur die Benachteiligten, sondern die, die reale Veränderung herbeiführen können.

“We can reject the hate of Reform and instead bring in politics that actually benefits people’s lives, that improves their living standards, lowers their bills and redistributes power and wealth from the super wealthy into our communities”. https://greenparty.org.uk/2026/04/14/hope-beat-hate-how-greens-took-on-reform-in-kent-and-won/

Damit macht er seinen Kampf zu einem Gemeinschaftsprojekt. Während andere Parteien „Wir übernehmen das für euch“ rufen, lädt seine Kampagne ein, es zusammen zu machen. Er stellt sich gängigen Narrativen, dass z.B. nicht mehr genügend öffentliche Gelder vorhanden seien, entgegen und korrigiert, dass diese lediglich nicht mehr ‚für uns‘ vorhanden wären. So ermutigt er zu Partizipation und gemeinsamem Einsatz gegen globale Missstände, und vermittelt gleichzeitig das Gefühl von Wirksamkeit trotz mächtiger Gegner*innen.

Details. Polanski verknüpft die Diagnosen mit Lösungsansätzen und dem erhofften Ergebnis geplanter politischer Interventionen. Statt bestimmte Keywords zu wiederholen oder auf die allgemeine Expertise der Partei zu verweisen, enthalten die Beiträge Details, die zeigen, dass er sich genau mit Sachverhalten auseinandersetzt. Die Bekämpfung der Klimakrise bleibt so kein beängstigendes Thema, das zu abstraktem Verzicht verpflichtet, sondern wird durch den Verweis auf die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung sicherer Ernährungssysteme, eine Begrenzung des Ausbaus von Flughäfen, der Einführung von Maximaltemperaturen am Arbeitsplatz und in der Schule und die Einrichtung kühler community spaces zu einer bewältigbaren Erzählung. Polanskis Erläuterungen nehmen Umwege in Kauf, um damit den Zusammenhängen gerecht zu werden. So gewinnen seine Beiträge durch Komplexität an Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit.

Themenfokus statt Formatfokus. Die Videos ahmen nicht klassische Social-Media-Formate nach. Zudem wird auf hektische Schnitte, schnelle Szenenwechsel oder sonstige visuelle Effekte verzichtet, die von der Sprachebene ablenken könnten. Die Videos stellen Polanski, die Probleme, Lösungen und Erfolge der Partei in den Vordergrund. Sie versuchen sich nicht gekünstelt in Jugendsprache, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. Der Bezug wird lediglich über Themen hergestellt, die unmittelbar das Leben junger Menschen betreffen: Leistbares Wohnen, funktionierender öffentlicher Nahverkehr, Unterstützung für local businesses. Er stellt seine Politik und die seiner Partei als Gegenentwurf zu der von Reform UK dar, in dem er ‚Hoffnung‘ statt ‚Hass‘ bietet. Er zeichnet ein positives Bild der Zukunft, die er mit den beschriebenen Ansätzen gestalten will. 

Manch einer dieser Punkte, die Polanskis Online-Auftritt auszeichnen, mag gängigen Annahmen über die Funktionsweise von Social Media widersprechen. Statt klamaukiger Dance-Videos überzeugt er mit Beiträgen, die dem Publikum Komplexität und Ernsthaftigkeit zumuten. Und beide Aspekte scheinen vielen Politiker*innen ohnehin besser zu liegen.

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“Das klingt nach ChatGPT”